So wird die Checkliste verwendet
Die 40 Fragen sind ein allgemeiner Auditkern, keine pauschale Vollständigkeitszusage für jeden Betrieb. Ergänze branchenspezifische Kriterien, behördliche Auflagen, Genehmigungen, Unfallverhütungsvorschriften, Kundenanforderungen und eigene Prozessregeln. Für ein zertifiziertes Managementsystem kommen die im Scope anwendbaren Normforderungen hinzu.
Lege vor dem Audit in einem Kopfbereich fest:
- Ziel, Standort, Bereich, Prozess und ausgeschlossene Themen
- Auditkriterien mit Quelle, Version und zutreffender Regelung
- Auditdatum, Auditierende, Gesprächspartner und Berichtsempfänger
- risikobasierte Stichprobe aus Tätigkeiten, Schichten und Beschäftigtengruppen
- frühere Abweichungen, wesentliche Änderungen und auffällige Kennzahlen
- Regeln für Bewertung, Eskalation, Bericht und Maßnahmenabschluss
Prüfe jeden Punkt möglichst aus drei Blickwinkeln: Dokument, Interview und Beobachtung. Ein freigegebenes Verfahren zeigt die Regel. Ein Interview zeigt, ob sie verstanden wurde. Die Beobachtung zeigt, ob sie unter realen Bedingungen funktioniert.
Kopiervorlage: Spalten für jeden Auditpunkt
Übertrage die Fragen in eine Tabelle oder Auditsoftware. Eine belastbare Zeile enthält:
| Feld | Eintrag |
|---|---|
| Auditkriterium | konkrete Quelle und Abschnitt, nicht nur „ArbSchG“ |
| Prüffrage | offene Frage nach Regelung, Umsetzung und Wirksamkeit |
| Stichprobe | ausgewählte Tätigkeit, Schicht, Personengruppe oder Datensatz |
| objektiver Nachweis | Dokument, Interviewaussage oder Beobachtung mit eindeutiger Referenz |
| Feststellung | erfüllte Anforderung, Abweichung oder Verbesserungshinweis |
| Konformitätsstatus | erfüllt, teilweise erfüllt, nicht erfüllt, nicht anwendbar mit Begründung |
| Risikopriorität | Dringlichkeit getrennt vom Konformitätsstatus |
| Folgemaßnahme | Ursache, Korrektur, Verantwortlicher, Frist und Wirksamkeitskriterium |
Diese Trennung verhindert zwei typische Fehler: Ein fehlendes Formular wird nicht automatisch zum höchsten Sicherheitsrisiko, und ein gefährlicher Zustand wird nicht als harmlose Dokumentenlücke behandelt.
40 Prüffragen für das Arbeitsschutz-Audit
A. Auditrahmen und Nachweisführung
| Nr. | Prüffrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| 1 | Sind Ziel, Scope, Standorte, Prozesse und Grenzen eindeutig festgelegt? | Auditauftrag, Organigramm, Prozesslandkarte |
| 2 | Deckt die Stichprobe hohe Risiken, Schichten und relevante Personengruppen ab? | Stichprobenplan, Gefährdungsprofil, Unfallstatistik |
| 3 | Sind die Auditkriterien aktuell, anwendbar und auf konkrete Quellen zurückführbar? | Rechtskataster, Auflagen, interne Standards |
| 4 | Wurden frühere Abweichungen und deren Wirksamkeit erneut geprüft? | Vorbericht, Maßnahmenstatus, Wirksamkeitsnachweis |
B. Verantwortung und Aufgabenübertragung
| Nr. | Prüffrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| 5 | Ist die Arbeitgeberverantwortung in der Führungsorganisation sichtbar verankert? | Organigramm, Geschäftsordnung, Managementreview |
| 6 | Sind übertragene Arbeitsschutzaufgaben, Befugnisse und Mittel eindeutig benannt? | schriftliche Pflichtenübertragung, Stellenprofil |
| 7 | Sind beauftragte Personen fachlich geeignet und kennen sie ihre Aufgaben? | Qualifikationsnachweis, Interview, Einweisung |
| 8 | Kontrolliert die Führung die Umsetzung und reagiert sie auf Abweichungen? | Führungsreview, Kennzahlen, Eskalationsprotokoll |
C. Betriebsärztliche und sicherheitstechnische Organisation
| Nr. | Prüffrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| 9 | Sind Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit ordnungsgemäß bestellt? | Bestellung, Vertrag, Zuständigkeitsmatrix |
| 10 | Ist Betreuungsumfang ermittelt, geplant und tatsächlich erbracht? | DGUV-Vorschrift-2-Ermittlung, Leistungsnachweise |
| 11 | Werden Betriebsarzt und Sifa frühzeitig in Änderungen und Planungen einbezogen? | Projektfreigaben, Beschaffungsworkflow, Protokolle |
| 12 | Arbeitet der Arbeitsschutzausschuss, sofern erforderlich, regelmäßig und wirksam? | ASA-Einladung, Protokoll, Maßnahmenverfolgung |
D. Gefährdungsbeurteilung und Schutzmaßnahmen
| Nr. | Prüffrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| 13 | Sind alle Tätigkeiten, Arbeitsbereiche und Beschäftigtengruppen erfasst? | Verzeichnis, Prozessabgleich, Vor-Ort-Stichprobe |
| 14 | Werden physische und psychische Gefährdungen angemessen beurteilt? | Methodik, Beteiligung, Ergebnisdokumentation |
| 15 | Sind besondere Personengruppen und individuelle Erfordernisse berücksichtigt? | Mutterschutz-, Jugend- oder Barrierefreiheitsprozess |
| 16 | Folgen Maßnahmen der Rangfolge technisch, organisatorisch, persönlich? | Maßnahmenbegründung, technische Lösung, PSA-Konzept |
| 17 | Haben Maßnahmen Verantwortliche, Fristen und einen eindeutigen Status? | Maßnahmenregister, Eskalation, Änderungsprotokoll |
| 18 | Wird die Wirksamkeit geprüft und bei Änderungen erneut beurteilt? | Messung, Beobachtung, Review-Anlass, Freigabe |
E. Unterweisung und Beteiligung
| Nr. | Prüffrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| 19 | Werden Themen aus konkreten Gefährdungen und Schutzmaßnahmen abgeleitet? | Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungsmatrix |
| 20 | Erfolgen Unterweisungen vor Aufnahme, regelmäßig und anlassbezogen? | Terminplan, Teilnahmen, Änderungsunterweisung |
| 21 | Sind Inhalte verständlich, tätigkeitsbezogen und praktisch umgesetzt? | Interview, Lernkontrolle, praktische Übung |
| 22 | Können Beschäftigte Gefahren melden und an Verbesserungen mitwirken? | Meldeweg, Beteiligungsformat, Reaktionsnachweise |
F. Arbeitsmedizinische Vorsorge
| Nr. | Prüffrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| 23 | Sind Pflicht-, Angebots- und mögliche Wunschvorsorgeanlässe ermittelt? | Vorsorgematrix, Gefährdungsbeurteilung |
| 24 | Werden Pflichtvorsorgen vor Tätigkeitsbeginn und fristgerecht veranlasst? | Vorsorgekartei, Terminstatus, Bescheinigung |
| 25 | Werden Angebotsvorsorgen persönlich, regelmäßig und nachweisbar angeboten? | Angebot, Fristenliste, Ablehnungsstatus |
| 26 | Bleiben Diagnosen und Befunde außerhalb betrieblicher Personalakten? | Rollenrechte, Datensatzfelder, Löschkonzept |
G. Erste Hilfe und sonstige Notfallmaßnahmen
| Nr. | Prüffrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| 27 | Beruht die Notfallorganisation auf den tatsächlichen Gefährdungen und Schichten? | Notfallkonzept, Schichtplan, Gefährdungsbeurteilung |
| 28 | Sind Ersthelfende, Brandschutz- und Evakuierungsaufgaben ausreichend besetzt? | Benennung, Qualifikation, Abdeckungsprüfung |
| 29 | Sind Mittel, Meldewege und externe Schnittstellen verfügbar und bekannt? | Alarmplan, Prüfung, Interview, Funktionstest |
| 30 | Werden Übungen und Ereignisse ausgewertet und Verbesserungen verfolgt? | Übungsbericht, Verbandbuch, Maßnahmenregister |
H. Zusammenarbeit mehrerer Arbeitgeber
| Nr. | Prüffrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| 31 | Sind Zuständigkeiten und Koordination vor Beginn der Arbeiten abgestimmt? | Fremdfirmenprozess, Koordinationsvereinbarung |
| 32 | Tauschen Arbeitgeber tätigkeitsbezogene Gefahren und Maßnahmen aus? | Übergabe, Einweisung, gemeinsame Beurteilung |
| 33 | Werden Fachkunde und Arbeitsschutzleistung von Auftragnehmern berücksichtigt? | Auswahlkriterien, Präqualifikation, Leistungsbewertung |
| 34 | Wird vor Ort geprüft, ob abgestimmte Maßnahmen tatsächlich greifen? | Baustellenkontrolle, Interview, Abweichungsbericht |
I. Befristet Beschäftigte und Arbeitnehmerüberlassung
| Nr. | Prüffrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| 35 | Sind Aufgaben zwischen Verleiher, Entleiher und Führung eindeutig geklärt? | Überlassungsvertrag, Schnittstellenmatrix |
| 36 | Erhalten befristet Beschäftigte dieselbe tätigkeitsbezogene Einweisung und PSA? | Unterweisung, Ausgabe, Beschäftigteninterview |
| 37 | Werden Eignung, Qualifikation und Einsatzgrenzen vor Zuweisung geprüft? | Qualifikationsmatrix, Einsatzfreigabe, Kontrolle |
J. Lernen, Änderungen und kontinuierliche Verbesserung
| Nr. | Prüffrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| 38 | Werden Rechtsänderungen, Auflagen und neue Erkenntnisse in Aufgaben übersetzt? | Änderungsbewertung, Rechtskataster, Aufgabenstatus |
| 39 | Werden Unfälle, Beinaheereignisse und wiederkehrende Mängel ursächlich ausgewertet? | Ursachenanalyse, Trend, Korrekturmaßnahmen |
| 40 | Fließen Erkenntnisse vor Beschaffung, Umbau und Prozessänderung in Entscheidungen ein? | Change-Prozess, Spezifikation, Abnahmeprotokoll |
Aktueller GDA-Bezug: sieben Elemente statt alter 15er-Listen
Die GDA-Leitlinie „Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes“ wurde in dritter Fassung am 25. November 2025 beschlossen und trägt den Stand 5. Dezember 2025. Ihr aktueller Mindestprüfumfang umfasst sieben Elemente: Verantwortung und Aufgabenübertragung, Organisationspflichten aus dem ASiG, Unterweisung, arbeitsmedizinische Vorsorge, Erste Hilfe und Notfallmaßnahmen, Zusammenarbeit mehrerer Arbeitgeber sowie zeitlich befristete Beschäftigung.
Die Leitlinie richtet sich an die Aufsichtsdienste der Länder und Unfallversicherungsträger. Sie ist ausdrücklich keine konkrete Arbeitsanleitung für Betriebe. Ihre Prüflogik ist dennoch ein belastbarer öffentlicher Vergleichsrahmen. Ältere GDA-ORGAcheck-Unterlagen mit 15 Elementen können zusätzliche Organisationsfragen liefern, sollten aber nicht als der aktuelle Mindestprüfumfang der überarbeiteten Leitlinie bezeichnet werden.
Die GDA bewertet nicht nur Dokumente. Vorgesehen sind ein strukturiertes Gespräch, stichprobenartige Dokumentenprüfung und ein Abgleich mit der Praxis vor Ort. Genau deshalb fordert diese Checkliste für wesentliche Fragen mehrere Nachweisarten.
Stichprobe risikobasiert auswählen
Die aktuelle GDA-Leitlinie sieht für ihre vollständige Systembewertung durch die Aufsicht einen Vor-Ort-Abgleich an zwei Arbeitsplätzen oder Tätigkeiten vor. Das ist keine allgemeine Mindestzahl für interne Audits. Ein Betrieb legt seine Stichprobe so fest, dass die Auditschlussfolgerung für den gewählten Scope plausibel ist.
| Merkmal im Auditbereich | Sinnvolle Erweiterung der Stichprobe |
|---|---|
| unterschiedliche Schichten oder Führungsteams | mindestens betroffene Schichten einbeziehen |
| seltene Tätigkeit mit hohem Schadenspotenzial | Durchführung beobachten oder realistische Ersatznachweise prüfen |
| viele gleichartige Standorte | risikobasiert Standorte mit und ohne Auffälligkeiten auswählen |
| neue Anlage, Umbau oder Prozessänderung | geänderten Prozess und zugehörige Freigaben gezielt prüfen |
| wiederholte Abweichung | frühere Problemfälle plus aktuelle Vergleichsfälle aufnehmen |
| Fremdfirmen oder Leiharbeit | mindestens eine Schnittstelle und Beschäftigteninterviews einbeziehen |
Dokumentiere, warum genau diese Fälle gewählt wurden und welche Grenzen die Aussage hat. Weichen Interview, Dokument und Beobachtung voneinander ab, wird die Stichprobe erweitert, bis Ursache und Reichweite der Abweichung ausreichend verstanden sind.
Bewertung: Konformität und Risiko getrennt halten
Bewerte zunächst, ob das definierte Kriterium erfüllt ist:
- erfüllt: Regelung, Umsetzung und objektiver Nachweis sind konsistent
- teilweise erfüllt: einzelne Anforderungen oder Stichproben weisen Lücken auf
- nicht erfüllt: Kriterium fehlt oder wird erkennbar nicht umgesetzt
- nicht anwendbar: nachvollziehbar begründet und vom Audit-Scope gedeckt
Danach folgt die Risikopriorität. Eine einfache Matrix berücksichtigt mögliche Schadensschwere, Eintritts- oder Expositionswahrscheinlichkeit, Zahl der Betroffenen und vorhandene Kontrollen. Akute erhebliche Gefahren werden sofort eskaliert; sie warten nicht auf den fertigen Auditbericht.
Eine gute Abweichungsformulierung enthält vier Bausteine: Kriterium, objektiver Nachweis, festgestellte Lücke und mögliche Auswirkung. Beispiel: „Die interne Regel verlangt eine dokumentierte Wirksamkeitsprüfung binnen 30 Tagen. Bei drei von fünf geprüften Maßnahmen fehlte diese Prüfung. Dadurch bleibt offen, ob das festgestellte Risiko dauerhaft beherrscht wird.“
Maßnahmenplan und Abschlusskriterium
Für jede relevante Feststellung werden Sofortkorrektur, Ursache und nachhaltige Korrekturmaßnahme getrennt. Ein fehlendes Schild kann sofort ersetzt sein; die Ursache kann trotzdem ein unwirksamer Kontroll- oder Beschaffungsprozess sein.
| Pflichtfeld | Leitfrage |
|---|---|
| Sofortmaßnahme | Was begrenzt eine aktuelle Gefahr bis zur dauerhaften Lösung? |
| Ursachenanalyse | Warum konnte die Lücke entstehen und unentdeckt bleiben? |
| Korrekturmaßnahme | Welche Systemänderung verhindert die Wiederholung? |
| Verantwortlicher und Frist | Wer liefert welches überprüfbare Ergebnis bis wann? |
| Wirksamkeitskriterium | Woran ist nach Umsetzung messbar, dass die Ursache beherrscht ist? |
| Abschluss | Wer prüft welchen Nachweis und schließt die Feststellung wann? |
Der Auditbericht nennt Ziel, Scope, Kriterien, Beteiligte, Stichprobe, Feststellungen, Schlussfolgerung und offene Maßnahmen. Die BGN-Arbeitshilfe zum internen Audit betont außerdem, dass Korrekturmaßnahmen auf Wirksamkeit verifiziert und die Ergebnisse in die Managementbewertung einbezogen werden.
Audit, Begehung und ISO-45001-Checkliste abgrenzen
Eine Sicherheitsbegehung Checkliste führt die konkrete Prüfung am Arbeitsplatz. Das Arbeitsschutz-Audit untersucht darüber hinaus, ob das dahinterliegende System verlässlich funktioniert. Für Zeitplan, Dokumentenanforderung und Gesprächsorganisation ist die Auditvorbereitung im Arbeitsschutz zuständig.
Diese Seite bildet bewusst keine ISO-Klauseln vollständig ab. Wer Zertifizierungsreife oder eine normbezogene Gap-Analyse prüft, nutzt zusätzlich die ISO-45001-Checkliste, den vertraglich festgelegten Normstand und das eigene Auditprogramm. So bleibt die allgemeine Audit-Checkliste praktisch nutzbar, ohne mit den spezialisierten Seiten zu Ablauf, Begehung oder Zertifizierungsanforderungen zu konkurrieren.